Objektivismus


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Leider wurde nicht immer objektiv geschrieben. Gar nicht selten wurde Geschichte in verderbender Weise genutzt, um die eigene Meinung zu beweisen. Weiter unten versuche ich eine kurze Analyse des Wertes der Veröffentlichungen, die sich in den letzten Jahrzehnten mit der Geschichte Oberschlesiens beschäftigen, durchzuführen.

Alles, worum es geht, betrifft eigentlich nur eine Frage, die eine von den schwierigeren ist, obwohl sie vielleicht am häufigsten gestellt wird. Das ist die Frage nach der Zugehörigkeit Schlesiens zu Deutschland oder Polen, ob diese Gebiete polnisch oder deutsch sind (der tschechische Teil ausgenommen). Es kann auf diese Frage keine Antwort geben. Sie ist einfach falsch gestellt.

Zur Zeit liegt fast ganz Schlesien innerhalb der polnischen Grenzen. Damals war es aber zwischen Polen und Deutschland geteilt. Früher stand es unter preußischer Macht, war Teil der habsburgischen Monarchie, des Königreiches Böhmen und der Herrschaft der piastischen Herzöge unterstellt. Sollte man also die Länge der Herrschaft oder ihre Abfolge als Maßstab nehmen, um auf diese Frage zu antworten?

Oder andersherum. Nehmen wir die Nationalvolksgliederung Schlesiens. Anfangs des 13. Jahrhunderts begann eine intensive Besiedlung des Landes, wodurch eine große Anzahl deutscher Siedler hierher gezogen ist. Viele Ortschaften erhielten in diesem Zusammenhang neue Rechte. Sie wurden nach sogenanntem deutschem (magdeburgischem) Recht umgesiegelt. Dies galt in demselben Maße sowohl für die ansässige polnische Bevölkerung als auch für die Ankömmlinge. Allerdings mit dem Unterschied, dass die zweite Gruppe teilweise wegen des Mongoleneinfalls ihre Siedlungen auf verlassenem Boden errichtete und das günstigere deutsche Recht erhielt. Leider haben wir keine genauen statistischen Angaben aus dem Mittelalter, um z. B. die Nationengliederung der einzelnen Teile Schlesiens festzustellen. Die ersten Volkszählungen wurden erst im 18. Jahrhundert durchgeführt. Früher könnte man eventuell nach der Sprache, in welcher Urkunden geschrieben wurden, oder nach den Namen aus der Bevölkerung (z. B. Zeugen auf Urkunden) solche Schätzungen machen. Das sind jedoch keine maßgeblichen Quellen. Erstens, weil Urkunden gewöhnlich in der Sprache ausgefertigt wurden, welche die betreffende Kanzlei benutzte. Deswegen findet man in Schlesien unter deutschen und polnischen Schriftstücken auch tschechische und nicht zuletzt lateinische. Wenn es um Namen geht, trifft man auch heute sowohl Deutsche mit polnisch-klingenden Namen als auch Polen mit typisch deutschen Nachnamen. Auch die oben erwähnten Volkszählungen geben uns manchmal eine falsche Vorstellung zum Thema Nationalität. Bedeutet es, wenn jemand, der Polnisch sprach (was in einer Volkszählung nachgewiesen wurde), dass er Pole ist, obwohl er in der Volksabstimmung 1921 für Deutschland stimmte? Oder andererseits: Wenn jemand laut einer Volkszählung Deutsch sprach, musste er Deutscher sein, auch wenn er Polnisch sprechen konnte. Schließlich musste man als deutscher Bürger, der eine deutsche Schule besuchte und verschiedene Sachen in deutschen Ämtern erledigte, wenigstens einbisschen Deutsch sprechen. Genauso war es in Oberschlesien bis 1945.

Ein anderes Problem, das hier auftaucht, ist eine Differenzierung zwischen oberschlesischen Dörfern und Städten. In den Städten kann man eine Überzahl der deutschen Bevölkerung feststellen, auf dem Lande wohnte dagegen nur polnische. Wie soll man also das Gebiet teilen?

Aus den obigen Darlegungen drängt sich die Frage auf, seit wann man über Nationalität sprechen kann. Bezeichnete sich ein mittelalterlicher Bauer eher als Deutscher oder Pole oder als Untertan eines Herzogs, Königs oder des Kaisers? Es gab ja damals keine Grenze im heutigen Sinne. Leider beachteten viele Verfasser diese Probleme nicht. Sie vereinfachten Geschichte manchmal bis zu unmöglichen Grenzen. Dadurch entstanden statt zuverlässiger historischer Werke neue Legenden über Schlesien.

Weiterhin schreibt man die Geschichte Schlesiens leider noch oft getrennt, auf deutsche und polnische Weise, obwohl es auch wirklich gute, fachliche Veröffentlichungen gibt. Sie werden von beiden Gruppen als langweilig empfunden, weil sie nur das hören wollen, an was sie schon seit langem blind glauben.

Das alles bedeutet aber nicht, dass polnische Historiker immer objektiv waren. Besonders in der Nachkriegszeit, wo schon das politische System selbst auf Lüge basierte.

In Bezug auf Schlesien kann man die Tendenz bemerken, dass mit Hilfe der Geschichtsschreibung versucht wurde, die deutsche Vergangenheit in den westlichen Teilen des heutigen Polens auszulöschen. Daher ist nach der Wende leicht ein Wechsel der Schreibweise wahrnehmbar (übrigens nicht nur in den schlesischen Ortsmonographien). Seit dieser Zeit konnte man ohne Einschränkungen über alles schreiben. Dies betrifft unter anderem die russisch-polnischen und die deutsch-polnischen Beziehungen. Auch Ortsgeschichten werden seit dieser Zeit auf andere Art und Weise geschrieben. Bisher wurde nämlich die Sache vom Standpunkt gesellschaftlich-wirtschaftlicher Verhältnisse betrachtet, wobei erst die sozialistischen Verhältnisse in Volkspolen für eine Ortschaft die volle Entwicklung ermöglichen sollten. Für diesen Zeitraum wurde gewöhnlich unverhältnismäßig viel Platz in jeder Veröffentlichung eingeräumt. Zur Zeit ist ein dominierendes Kriterium bei der Beurteilung von Arbeiten dieser Art das chronologisch-politische, bei dem der Wechsel der Staatszugehörigkeit als ein neuer Zeitraum in den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und nationalen Beziehungen anerkannt wird, obwohl dies nicht immer ein entscheidender Faktor war.

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