Ortsgeschichte


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Ortsgeschichte
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Was ist eigentlich Ortsgeschichte? Worin unterscheidet sie sich von anderen geschichtlichen Bearbeitungen. Teilweise gibt folgende Übersicht eine Antwort auf die Frage, wie die Beschäftigung mit dem Thema in den letzten Jahrzehnten aussah. Dazu müssen wir in zwei Ländern suchen, da in dem Teil Schlesiens, mit dem ich mich in dieser Arbeit beschäftige, sich die deutsche und polnische (sowie auch im Mittelalter tschechische) Tradition verbindet.

Schauen wir also, wie man dies in Deutschland sah, wo solche Arbeiten schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben wurden. Auch in Oberschlesien finden wir in der 1. Hälfte dieses Jahrhunderts Veröffentlichungen dieser Art und dabei von höchstem wissenschaftlichem Wert. Als Beispiel kann man solche Veröffentlichung aufführen, wie: Felix Gramer, Chronik der Stadt Beuthen in Oberschlesien, Beuthen 1863.

Aber erst nach der Gründung des Deutschen Reiches erhielten solche Begriffe wie „Heimat” und „Vaterland” eine neue Bedeutung. Leider führte dies zur Entstehung von eigenartigen Schreibweisen, die mit Geschichte auf wissenschaftlichem Niveau manchmal wenig zu tun hatten. Auf diese Weise entstanden sog. Heimatbücher, die sich überwiegend mit Lobpreisung der Heimat beschäftigen. Dieser Trend dauerte bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der spezifischen Lage Schlesiens und der lebhaften Tätigkeit vieler Deutscher, die wider ihren Willen ihre Heimat verlassen mussten, finden wir unter vielen guten Publikationen auch solche, die zu diesem Trend passen.

Arbeiten mit regionalem Charakter entstanden nicht nur als Ergebnis eines einfachen Interesses am eigenen Land, einer rein menschlichen Neugier. Der Bedarf an derartigen Werken hatte in der Vergangenheit auch eine politische Grundlage. Schon am 19. April 1859 wurde in einer Verordnung des Regierungsbezirkes Oppeln gefordert, Heimatgeschichte zu schreiben. Außerdem wurde verordnet, auf welche Weise die Beschreibungen verfasst werden sollten. Dies hatte die Entstehung von zahlreichen Arbeiten zur Folge, die zwar den Erwartungen nicht entsprachen, doch versanken dank dieser Leute viele Überlieferungen nicht in der Dunkelheit der Zeiten.

Die nächsten 50 Jahre hindurch entstanden auch viele Arbeiten mit beiterem regionalem Bezug. Jedoch erst seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen aufgrund des sog. Ostprogramms erheblich mehr Veröffentlichungen. Sie betrafen die landeskundliche Geschichte Schlesiens, zumal seinen östlichen Teil, der sich damals in den Grenzen des Regierungsbezirkes Oppeln befand. Viele von ihnen waren durch Nationalismus übersättigt, mit den Versuchen ausschließlich deutsche Rechte an diesem Territorium zu beweisen. Meistens wurden die Abhandlungen von örtlichen Hitzköpfen verfaßt, die sich für die Heimatgeschichte begeisterten. Sehr häufig haben auch die Veröffentlichungen verhältnismäßig geringere Bedeutung als wissenschaftliche Aufsätze. Dennoch erleichterten sowohl die Anzahl der populären Bearbeitungen, als auch der ziemlich leichte Zugang zu ihnen wesentlich die Kenntnis des ihre eigenes Landes für ein breitens Publikum.

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