Quellen zur Ortsgeschichte


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Quellen zur Ortsgeschichte
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Ohne die authentischen Dokumente in den Archiven lässt sich Ortsgeschichte nicht bearbeiten. Doch die Kompliziertheit der Überlieferungsgeschichte und die besondere innere Struktur der Archive sind häufig Ursache dafür, dass entscheidende Quellen von der Forschung nicht beachtet oder erst gar nicht ermittelt werden.

Deswegen versuche ich in diesem Teil einige wichtigere Archivquellen vorzustellen nach welchen ein Historiker greift, der die Ortsgeschichte eines oberschlesischen Dorfes schreiben will. Außer den typischen Quellen, werde ich meine Aufmerksamkeit auch auf die lenken, die selten verwendet werden. Es werden auch Druckquellen und Bearbeitungen nicht übergangen. Manchmal sind viele Informationen sehr einfach zu ermitteln. Es ist erstaunlich, wie viele Angaben zu ortgeschichtlichen Quellen man in der landeskundlichen Literatur finden kann. Erstaunlicher ist aber jedoch, wie selten sie von heutigen sog. Heimatforschern verwendet werden.

Und noch eins:

Wie ein schlesicher Forscher gesagt hat:

Daher wird man nicht immer weiterschweifen, da das Gute so nah liegt; damit meine ich das noch lebende Volksgut am Orte selbst, das vor dem sicheren Untergang unbedingt gerettet werden muß, ehe es zu spät ist; das meiste ist leider schon in Vergessenheit geraten.

Davon habe ich mich selbst überzeugt, als ich meine erste Ortgeschichte geschrieben habe, und wie oft habe ich bedauert, dass mein Großvater nicht mehr lebt, oder wenn ich gehört habe, dass jemand, der viele interessante, aus diesem Ort stammende, Sagen kannte, vor einem oder zwei Jahren verstorben ist. Daran kann man wirklich gut sehen, wie schnell unsere Heimatgeschichte uns „durch die Finger geht”.

Immerhin ist es vor Beginn der Recherchen erforderlich drei Sachen festzustellen: die verwaltungspolitische und kirchliche Zugehörigkeit des Dorfes binnen Jahrhunderten, um zu wissen, in welchen Archiven zu suchen ist; das Gründungsdatum ist annähernd festzustellen, um mit den entsprechend alten Quellen die Recherchen anfangen zu können und endlich ist der Ortsname und seine Veränderungen festzustellen, um zu wissen, was man überhaupt suchen muss.

Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, welche Quellen die geeignetsten sind. Die Ortsgeschichtsforschungen zeichnen sich eben dadurch aus, dass man fast überall suchen kann. In verschiedenen Amtsverzeichnissen findet man Angaben zu den Behörden im gegebenen Bezirk, in denen man meistens Eigentümer, Lehrer und andere Persönlichkeiten aus den entsprechenden Ortschaften findet. Sehr nützlich sind alle Materialien über größtere Investitionen auf dem Ortsgelände. Sie schildern nicht nur die Bauabläufe, sondern auch durch ein Prisma der Bestrebungen der Einwohner um den Bau, die Mentalität der Bewohner, ihre Probleme, die Fähigkeit (oder Unfähigkeit) zur Zusammenarbeit usw.

Manche Ortschaften haben auch eine spezifische Lage, Eigenschaften usw. In diesem Fall sollte man Quellen suchen, die solche spezifischen Probleme betreffen. Beispielweise im Fall von Ortschaften, die an einer Grenze lagen, kann man in Akten suchen, welche z.B. Grenzangelegenheiten oder sogar den Schmuggel betreffen.

Man sollte man auch nicht vergessen Kirchenarchive zu besuchen. Im Fall kirchlicher Archive sollten uns vor allem solche Sachen interessieren:
- Ortsakten der Pfarrgemeinde,
- Sachakten z.B. von Vereinen
- Personalakten des schlesischen Klerus,
- Bischofskanzleien,
- Photographische Sammlungen.

Gehen wir jetzt zum Staatsarchiv selbst über. Ausgenommen die Tatsache, dass ein Anfänger sich hier meist verloren fühlt, verursacht das Provenienzprinzip, bei einem an Bibliothekrecherche gewöhnten Menschen große Schwierigkeiten, sich an dieses Modell anzupassen. Auch in Bezug auf Ortsgeschichtsrecherchen kann dieses Prinzip gewisse Probleme bereiten. Sehr hilfreich könnten hier verschiedenartige sachtematische Inventare sein. Leider ist die Tradition, diese Hilfsmitteln zu schreiben, nicht besonders verbreitet. Hoffnung macht hier die Verwendung von IT-gestützten Erschließungsvorgängen, wodurch man eine größte Flexibilität erreichen kann und auch größere Möglichkeiten bei der Suche nach bestimmten Sachen hat, z.B. bei der Verwendung von Volltextsuche oder Thesaurus.

Aber auch das Archiv selbst kann sich auf den Besuch solch eines Forschers vorbereiten. Es ist bekannt, dass manche Bestände häufiger benutzt werden und manche Forschungsvorhaben häufiger unternommen werden. Dies ist manchmal von der Konjunktur der Forschung oder Geschehnissen in der Region unabhängig. Einige Archive sehen einen solchen Boom voraus und stellen verschiedene thematische Inventare, Übersichten, Hinweise zur Benutzung und Antworten auf alle mögliche Fragen zur Verfügung.

Allgemein bekannt ist auch, dass die Bereiche Familienforschung und Ortsgeschichtsforschung besonders oft nachgefragt werden. Deswegen ist es sinnvoll eben zu diesen zwei Bereichen entsprechende Findmittel zur Verfügung zu stellen und dadurch z.B. routinenmäßige Auskünfte abzudecken.

Leider bedeutet in den meisten polnischen Archiven „recherchieren” eher eine Suche, die mehr auf Fingerspitzengefühl beruht, z.B. nach dem Gebiet wo die gegebene Ortschaft liegt, als gezielten Forschungen.

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